Schwarzwälder Schinken
15.07.2017
Haben
Sie
sich
schon
einmal
gefragt,
weshalb
der
Schwarzwälder
Schinken
so
stark
geräuchert
ist?
Gewiss,
er
bekommt
dadurch
seinen
typischen
Geschmack.
Aber
wird
er
um
des
Geschmacks
willen
so
stark
geräuchert
oder
ergibt
sich
der
Geschmack,
weil
er
so
stark
geräuchert
wird?
Ich
bin
dieser
Frage
nicht
gezielt
nachgegangen,
bin
aber
bei
einem
Besuch
im
Schwarzwald
zufällig
auf
eine
Antwort
gestoßen (obgleich ich mir die Frage bis dahin nie gestellt hatte).
Bei
einer
Besichtigung
historischer
Schwarzwaldbauernhöfe
im
Freilichtmuseum
Vogtsbauernhof
fiel
das
durchgängige
Fehlen
von
Kaminen
auf.
Tatsächlich
verfüg
-
ten
die
alten
Schwarzwaldhöfe
nicht
über
einen
kontrollierten
Rauchabzug.
Von
den
Feuerstellen
in
den
Küchen
stieg
der
Rauch
durch
Luken
und
Schächte
nach
oben
bis
in
den
Dachraum.
Der
Rauch
wurde
also
im
Haus
gehalten.
Ein
„Funkenhut“,
im
Schwarzwald
„Gewölme“
genannt,
ein
mit
einer
Lehm-Stroh-Mischung
verschmiertes
Geflecht
aus Haselnussruten über den Feuerstellen verhinderte, dass die Holzkonstruktion der Häuser durch Funkenflug Feuer fing.
Der
Rauch
hatte
besondere
Aufgaben:
Der
abziehende
Rauch
des
offenen
Herdfeuers
konservierte
das
Gebälk
und
machte
es
durch
Räuchern
gegen
Schädlingsbefall
widerstandsfähig.
Durch
den
warmen
Rauch
wurde
das
auf
dem
Dachboden
gelagerte
Getreide
getrocknet
und
ebenfalls
vor
Schädlingsbefall
geschützt.
Im
Küchenge
-
wölbe
waren
Rauchstangen
befestigt,
an
denen
Schinken,
Würste
oder
Kräuter
hingen; eben alle Lebensmittel, die durch den Rauch konserviert wurden.
Klar,
dass
eine
derartige
Küche
mit
offener
Feuerstelle
nach
und
nach
völlig
verrußte
und
zu
Recht
„Schwarzküche“
oder
„Schwarze
Küche“
genannt
wurde
oder
auch
„Rauchküche“
durch
den
ständigen
Rauch
in
der
Küche.
Der
durch
das
Holzfeuer
auf
dem
Herd
verursachte
Rauch
sammelte
sich
zuerst
in
der
Küche,
bevor
er
dann
durch
die
Luken
und
Schächte
in
andere
Bereiche
des
Hauses
abzog.
Der
zum
Räuchern
in
der
Küche
aufgehängte
Schinken
war
so
lange
Zeit
dem
Rauch
ausgesetzt
und
erhielt
sein
typisches
Rauch
-
aroma, das ihn von den andernorts luftgetrockneten Schinken unterscheidet.
Lange
Zeit
dem
Rauch
ausgesetzt
waren
aber
auch
die
Frauen,
die
in
den
Küchen
die
Speisen
zubereiteten.
Der
Museumsführer
wies
denn
auch
zu
Recht
darauf
hin,
dass
die
Frauen
einem
besonderen
Gesundheitsrisiko
ausgesetzt
waren.
Rauchfrei
waren
in
den
Häusern
allerdings
nur
zwei
Räume:
die
„Gute
Stube“
mit
einem
Kachelofen,
der
von
hinten
in
der
Schwarzküche
befeu
-
ert
und
dessen
Rauch
ebenfalls
über
die
Schwarzküche
abgeleitet
wurde
(s.
Pfeil
auf
dem
Foto
links
oben),
und
das
über
der
beheizten
Stube
angeordnete
und
von
hier
zugängliche
Schlafzim
-
mer des Bauernehepaares.
Alle
anderen
Räume
des
Hauses
waren
permanent
mehr
oder
minder
verraucht
durch
das
offene
Holzfeuer
des
Herdes
in
der
Schwarzküche. Die Feinstaubbelastung im Haus muss immens gewesen sein.
Holzfeuer
führen
einerseits
zu
gasförmigen
Emissionen,
hauptsächlich
Kohlendioxid
(CO
2
)
und
Wasserdampf,
aber
auch
Kohlen
-
monoxid
(CO),
Stickoxiden
(NO
X
)
und
organischen
Verbindungen.
Andererseits
werden
feste
Rauchpartikel
als
Ruß
und
Feinstaub
mit
Polyzyklischen
Aromatischen
Kohlenwasserstoffen
(PAK)
emittiert.
Wird
Kohlenmonoxid
eingeatmet,
führt
dies
zu
einem
Sau
-
erstoffmangel
im
Blut,
der
akut
zu
Kopfschmerzen
und
Schwindel
führt,
bei
hohen
CO-Konzentrationen
in
der
Atemluft
auch
zum
Tod. Todesfälle durch Kohlenmonoxid dürfte es aber in den Schwarzküchen wohl nicht gegeben haben.
Ungleich
schwerwiegender
waren
die
Gesundheitsgefahren
durch
den
Rauch.
Pro
Kilogramm
Holz
können
mehrere
Mikrogramm
PAK
entstehen.
Sie
sind
potentiell
karzinogen
(krebserregend).
Mit
PAK
beladene
Rauchpartikel
in
einer
Größe
von
weniger
als
einem
Mikrometer
gelangen
tief
in
die
Atemwege
und
können
dort
nachweislich
Atemwegsinfektionen
sowie
chronische
Bronchitis
und
Lungenkrebs
verursachen.
Medizinische
Studien
lassen
den
Schluss
zu,
dass
eine
Exposition
mit
Holzrauch
von
vier
Stunden
pro
Tag die Wahrscheinlichkeit von Atemwegsproblemen um etwa 15 bis 20 Prozent erhöht.
Was
macht
PAK
so
gefährlich?
Sie
sind
als
karzinogen
einzustufen,
weil
sie
bei
der
Metabolisierung
im
Körper
zu
organischen
Ver
-
bindungen
(Epoxiden)
oxidiert
werden,
die
mit
der
DNA
reagieren
können
und
dann
zu
Karzinomen
führen.
Dabei
kommt
es
nicht
darauf
an,
wie
die
PAK
in
den
Stoffwechselkreislauf
des
Körpers
gelangen.
Das
beliebte
Grillsteak
oder
die
Bratwurst
vom
Holz
-
kohlengrill
und
alle
Räucherwaren
sind
ebenso
PAK-belastet
wie
der
Feinstaub
unserer
Umgebungsluft
durch
Industrieabgase,
Dieselruß und Holzfeuerungen. Und je mehr PAK wir aufnehmen, desto mehr wächst das Risiko, dass wir an Krebs erkranken.
Zurück
zu
meiner
Eingangsfrage:
Früher
führte
das
starke
Räuchern
in
der
Schwarzküche
zwangsläufig
zu
dem
typischen
Rauchge
-
schmack. Heute wird extra stark geräuchert, um den traditionellen Geschmack zu erzielen.