© Gerhard Meyer
Digitale Souveränität 15.07.2026 Künstliche Intelligenz (KI) erobert unseren Alltag immer stärker und immer schneller. Wir merken gar nicht, wie oft Entscheidun - gen im täglichen Leben bereits durch KI getroffen oder beeinflusst werden. Wenn die KI etwas für uns entscheidet, wir Menschen also keine Wahl mehr haben, birgt dies enorme Gefahren. Wenn die KI uns faktenbasierte Entscheidungshilfen gibt, erleichtert dies die menschliche Entscheidung - aber Entscheidungshilfen können uns auch so stark beeinflussen, dass wir zu falschen Ent - scheidungen kommen. Und wir können in eine wirtschaftliche, technologische, physische und psychische Abhängigkeit geraten, wenn wir nicht die digitalen Prozesse und die für Anwendungen der KI benötigten Daten unter unserer Kontrolle haben. KI birgt also Gefahren, kann Fluch oder Segen sein. KI ist nicht intelligent. KI-Systeme basieren auf Algorithmen, die von Menschen erstellt und überwacht werden. Sie sind Werk - zeuge, die unsere Anweisungen ausführen. KI ist ein Produkt menschlicher Erfindungsgabe und wird durch menschliche Werte und Entscheidungen gesteuert. Das bedeutet nicht, dass KI nicht auch KI-Systeme schaffen und überwachen könnte - aber ohne Men - schen, die eine derartige KI programmiert und freigegeben haben, geht es nicht. Eindeutig positive KI-Anwendungen gibt es in der Medizin (Krebserkennung in CT-Scans, MRTs und Röntgenaufnahmen, Analyse von Elektrokardiogrammen, Fotoanalyse von Hautveränderungen in der Dermatologie), in der Meteorologie (Wettervorhersagen durch Auswertung von terrestrischen und Satelliten-Messdaten) oder in der Bildung (Virtual und Augmented Reality im Unterricht), um nur einige Beispiele zu nennen. In der Robotik gibt es Entwicklungen, die je nach Einsatzgebiet sowohl positiv wie negativ zu bewer - ten sind. Ki-gesteuerte Prothesen, Exoskelette sowie alle Roboter, die den Menschen gefährliche, körperlich schwere oder auch monotone Fließband-Arbeit abnehmen, sind - ungeachtet wirtschaftlicher und sozialer Aspekte - positiv zu sehen. Wenn Roboter oder autonome Fahrzeuge in Kriegen eingesetzt werden, kann man Leben von Soldaten retten. Das rechtfertigt aber keine Kriege. Entschieden abzulehnen sind jedenfalls autonome Waffensysteme, bei denen eine KI über Leben oder Tod eines Menschen - auch als möglicher „Kollateralschaden“ bei der Zerstörung ziviler Infrastruktur - entscheidet. Zwiespältig muss man auch allgemein zugängliche KI-Programme wie ChatGPT (oder ähnliche) sehen. Als Recherche-Tools sind sie sicher sehr nützlich, wenn auch nicht immer zuverlässig. Beliebt sind sie besonders bei Schülern und Studierenden bei der Lösung von Aufgaben sowie der Formulierung von Aufsätzen, Berichten und späteren Bewerbungsschreiben an Unternehmen. Da KI aber nicht kreativ ist, sondern reproduktiv, schreiben die Programme alle Texte in einem unverwechselbaren Stil, den man inzwischen mit Analyseprogrammen unabhängig von den Inhalten einzelnen Anbietern zuordnen und so erkennen kann, dass der Text nicht von dem angeblichen Verfasser geschrieben worden ist. Doch man kann die Programme durchaus auch kreativ nutzen. Mein Stiefsohn in Russland und seine Freundin haben ein Märchen mit Hilfe von KI visualisiert. Mein Stiefsohn ist als Autor tätig und hat das „Märchen von den drei Brüdern und dem Spatzen-Anwalt“ verfasst. Seine Freundin ist krea - tiv tätig und hat der KI die Aufgabe gestellt, das Märchen als Comic mit Illustrationen im Stil von Märchenbildern des letzten Jahrhunderts zu visualisieren. Das Ergebnis können Sie mit einem Klick auf das Icon mit dem Spatzen begutachten. (Anm.: Die Darstellung im Internet wurde mit einem Fotoprogramm realisiert.) Wenn man heute digitale Fotos oder Videos sieht, kann man nie wissen, ob sie reale Szenen zeigen oder Fakes - es sei denn, sie sind als KI-generiert gekennzeichnet. In politischer Propaganda, kommerzieller Werbung oder Clips in sozialen Netzwerken wird gern und häufig mit Fake-Fotos und -Videos gearbeitet. Man denke nur an die peinlichen oder lächerlichen Bilder, die Donald Trump per - manent von sich anfertigen und verbreiten lässt! Kriminell sind Fale-Videos mit Avataren von bekannten Persönlichkeiten, die angeblich für ein Produkt werben. Bei der Nutzung von Browsern und Suchmaschinen, Internetseiten, Apps und sozialen Netzwerken werden Nutzerdaten gespei - chert und auch weitergegeben (verkauft). Aus den gewonnenen Nutzerdaten werden Nutzerprofile erstellt, die für personalisierte Werbung und Informationen genutzt werden. Zum Beispiel gewinnen soziale Netzwerke mit Hilfe KI-gestützter Nutzeranalysen Daten, die wertvolle Einblicke in das Verhalten und die Vorlieben der Nutzer bieten. Algorithmen steuern dann, welche Beiträge in den Newsfeeds der Mitglieder angezeigt werden. Wie man KI-Techniken von Chatbots missbräuchlich ausnutzen kann, um manipulierte Antworten auf Fragen zu erhalten, testet gegenwärtig die russische Propaganda aus. Chatbots werten für Antworten auf Fragen allge - mein zugängliche digitale Datenquellen nach mehrheitlich übereinstimmenden Aussagen aus. Russland verbreitet über Millionen Fake-Accounts, Bots und Trolle in den sozialen Netzwerken gefälschte positive Nachrichten über Russland oder negative Nachrichten über die Ukraine oder Europa in der Erwartung, dass Chatbots sie für Antworten auf Fragen zu Russland verwenden.