© Gerhard Meyer
Heilsbringer oder chaotischer Egomane? 23.05.2026 Was soll man von einem amerikanischen Präsidenten erwarten, der mehrheitlich von Evangelikalen und christlichen Nationalisten in den USA als ein „auserwähltes Werkzeug“ Gottes gesehen wird und sich selbst als Erlöser der Welt darstellt? Die Evangelikalen und christlichen Nationalisten mögen ihre Erwartungen bestätigt (wenn auch nicht vollends erfüllt) sehen, die Welt stellt sich einen Erlöser sicher anders vor. Trump versteht Außenpolitik als Poker um günstige Deals für die USA und sein privates Wirtschaftsimperium. Durch Aufkündigen multilateraler Verträge, Torpedieren regelbasierter Weltordnungen und rücksichtslosen Einsatz wirtschaftlicher und militärischer Stärke der USA hat er die Welt in ein politisches und wirtschaftliches Chaos geführt. Er übertrifft Muhammad Ali als Großmaul und Baron von Münchhausen als Lügner. "In einem Zeitraum von nur sieben Monaten habe ich sieben endlose Kriege beendet, Kriege zwischen Kambodscha und Thailand, Kosovo und Serbien, dem Kongo und Ruanda, Pakistan und Indien, Israel und dem Iran, Ägypten und Äthiopien sowie Armenien und Aserbaidschan", erklärte er im September letzten Jah - res in einer Rede vor den Vereinten Nationen. „Jeder sagt, dass ich den Friedensnobelpreis für jede einzelne dieser Errungenschaf - ten bekommen sollte.“ Hat er zu Recht nicht bekommen. Gipfel der Unverschämtheit ist, dass er in einem Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre sein Vorgehen gegen Grönland auch damit begründet, dass ihm Norwegen den Friedensnobel - preis verweigert habe. Er fühle sich nicht mehr zu Frieden verpflichtet, „weil Ihr Land mir den Friedensnobelpreis für die Beendigung von über acht Kriegen verweigert hat“. Hat Trump da etwa den von ihm aus Profitinteresse angezettelten Überfall auf Venezuela als achten Krieg mit gerechnet? Oder sollte er gar den Krieg Russlands gegen die Ukraine prophetisch schon einbezogen haben? Greifen wir weiter mal den Krieg zwischen Israel und dem Iran heraus. Er ist nicht beendet, sondern Trump und Netanjahu haben ihn eskaliert, ohne den Sturz des Mullah-Regimes und einen iranischen Verzicht auf Atomwaffen als benannte Kriegsziele erreicht zu haben. Stattdessen ist jetzt der Transport insbesondere von Erdöl und Erdgas aus den Golfstaaten per Schiff durch die Straße von Hormus blockiert. Das führt zu Versorgungsengpässen und in der Folge weltweit zu gestiegenen Preisen für Kraftstoffe und zu Inflation. Wenngleich ich glaube, dass Netanjahu die treibende Kraft für den Krieg mit Iran ist, haben dennoch der Kriegsherr Trump und sein Kriegsminister Hegseth das Dilemma für die Weltwirtschaft durch eine dilettantische Kriegsführung zu verantwor - ten.