© Gerhard Meyer
Ozeane, Permafrostböden und tropische Regenwälder sind wichtige CO 2 -Senken. Leider sind in diesen für das Klima wichtigen CO 2 - Senken bereits Situationen eingetreten oder zu befürchten, die auch ohne Zutun des Menschen den Klimawandel befördern können. Die Ozeane enthalten mehr als 50-mal so viel Kohlenstoff wie die Atmosphäre. Dadurch, dass sie bisher rund ein Viertel des seit der industriellen Revolution verursachten zusätzlichen Kohlendioxids aufgenommen haben, haben sie dem menschgemachten Klima - wandel entgegen gewirkt. Doch weil die Konzentration an klimaschädlichen Gasen in der Luft in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen ist, sinkt diese Speicherwirkung. Die Weltmeere nehmen CO 2 aus der Atmosphäre auf und lösen es in Form von Kohlen - säure. Dadurch wird das Meerwasser saurer, zusätzlich durch den Klimawandel auch wärmer, und es sinkt der Sauerstoffgehalt. Diese Effekte verringern die Aufnahmekapazität der Meere für CO 2 . Neben den physikalischen und chemischen Prozessen steuern Meereslebewesen die CO 2 -Aufnahme im Ozean über die sogenannte biologische Pumpe. In der obersten Wasserschicht treiben winzige Algen, das Phytoplankton. Sie wandeln durch Photosynthese CO 2 und Sonnenlicht in Biomasse um. Sterben sie, sinkt ein Teil der Biomasse mit dem gebundenen Kohlenstoff ab. Langfristig gespeichert wird ein Teil des Kohlenstoffs, der nicht in biologischen Stoffkreisläufen wieder als CO 2 freigesetzt wird. Wie sich die biologische Pumpe in Zukunft verändern wird, ist noch unsicher. Fest steht aber, dass Meereslebewesen einen erheblichen Anteil an der Funktion der Ozeane als Kohlenstoffspeicher haben. Dass tauende Permafrostböden ihre Festigkeit verlieren, Fundamente von Bauwerken einsinken, die einzustürzen drohen, und Stra - ßen und Schienen ihre Tragfähigkeit verlieren, ist bekannt. Taut das organische, kohlenstoffhaltige Material im Boden auf, wird es von Mikroorganismen zersetzt. Kohlendioxid und Methan werden freigesetzt, die als Treibhausgase den Treibhauseffekt verstär - ken, die Erwärmung der Atmosphäre vorantreiben und so die globale Temperatur erhöhen. Das wiederum führt zu weiterem Auftauen der Permafrostböden und weiterer Freisetzung von Treibhausgasen. Es entsteht ein negativer Kreislauf. Der zukünftige Einfluss der tropischen Regenwälder auf den Klimawandel ist weit schwieriger abzuschätzen. Bäume nutzen Sonnen - licht als Energiequelle, um durch Photosynthese Kohlendioxid (CO 2 ) aus der Atmosphäre und Wasser aus dem Boden in Glukose (Zucker) und Sauerstoff umzuwandeln. Der Zucker dient als Baustein für das Wachstum des Baumes für Stamm, Äste, Blätter und Wurzeln. Der Kohlenstoff aus dem ursprünglich aufgenommenen CO 2 wird so in der Biomasse des Baumes eingelagert. Abhol - zungen und Brandrodungen führen dazu, dass der in den Bäumen gespeicherte Kohlenstoff sofort zur Gänze als CO 2 freigesetzt wird und künftig weniger Biomasse für die Speicherung von Kohlenstoff zur Verfügung steht. Selbst wenn Flächen wieder aufge - forstet werden - was selten geschieht -, dauert es viele Jahre, bis das verlorene Speichervolumen und die Speicherkapazität der gerodeten Fläche wieder erreicht wird. Doch auch ein Erhalt des tropischen Regenwaldes bietet keine Garantie als langfristiger CO 2 -Speicher. Für die Photosynthese brauchen die Bäume neben Licht auch Wasser. Wasser ist nicht in jedem Jahr in gleicher Menge verfügbar. Messungen im intakten Regenwald des Amazonas haben ergeben, dass in nassen Jahren mehr CO 2 gespeichert als freigesetzt wird, dagegen in trockenen Jahren mehr freigesetzt als gespeichert wird. Zur Freisetzung von CO 2 trägt auch die Ver - rottung von Totholz im Regenwald bei. Je wärmer es ist, desto schneller zersetzen Pilze, Insekten, Kriechtiere und Bakterien das Totholz. Als Fazit kann man festhalten, dass mit zunehmender Erderwärmung der tropische Regenwald tendenziell langfristig seine Funktion als CO 2 -Speicher einbüßen könnte. Das muss aber noch weiter wissenschaftlich untersucht werden.