© Gerhard Meyer
Donald Trump ist auf die Stimmen der Evangelikalen angewiesen und wirbt deshalb um sie. Er vermarktet eine Sonderausgabe der Bibel für fast 60 $ unter dem Slogan „Make America Pray Again“. „Alle Menschen in den USA brauchen eine Bibel zu Hause, und ich habe viele. Es ist mein Lieblingsbuch.“ Religion und Christentum fehle dem Land am meisten. Deshalb sei er stolz darauf, seine Landsleute „zu ermutigen, diese Bibel zu erwerben. Wir müssen Amerika wieder seinen Glauben zurückgeben.“ Ohne Deal geht es bei ihm halt nicht. Trumps Verhalten und Privatleben passen nicht zu den Moralvorstellungen von konservativen Evangelikalen, denen die Ehe heilig ist. Doch um seine Unvollkommenheit zu rechtfertigen, wird der biblische König David als Vorbild bemüht. Der hatte laut Bibel nicht nur mehrere Frauen und Konkubinen, sondern beging auch Ehebruch mit Batseba und schickte ihren Mann an die vorderste Front, damit dieser fiel. Das ist für mich evangelikale Doppelmoral. Die Zustimmungswerte für Trump sind erheblich gesunken. Weniger als 40 Prozent der US-Amerikaner haben noch ein positives Bild von Donald Trump. Die MAGA-Bewegung hat Trump maßgeblich zur Wiederwahl verholfen. Anhänger der MAGA-Bewegung, für die soziale und wirtschaftliche Veränderungen in den USA eine Bedrohung ihrer nationalistischen, populistischen und konservativen Ideale darstellen, vertrauen wohl noch den Versprechen Trumps, Amerika wieder „great“ zu machen. Davon ist im Alltag der ameri - kanischen Bevölkerung aber bisher nichts zu spüren. Die MAGA-Bewegung hat sich zunehmend als eine neue faschistische Kraft etabliert, die auf die Wiederherstellung der weißen Vorherrschaft abzielt und sich gegen liberale Werte wendet. Militante Mitglie - der der rechtsradikalen Gruppierungen Proud Boys und Oath Keepers sowie weitere Teilnehmer der Erstürmung des Capitols 2021, die zu Haftstrafen verurteilt und von Trump nach seiner Wiederwahl begnadigt wurden, sollen jetzt sogar finanziell entschädigt werden aus einem geplanten Entschädigungsfonds für Opfer staatlicher Handlungen, die politisch oder ideologisch motiviert waren. Trump hat als Privatperson im Januar die Steuerbehörde seiner eigenen Regierung verklagt. Zehn Milliarden US-Dollar Schadenser - satz verlangte er, weil ein Leak der Behörde es möglich gemacht hatte, dass seine Steuerdaten in die Öffentlichkeit gerieten. Trump hat jetzt mit der Staatsanwaltschaft einen Deal abgeschlossen, dem der als Interimslösung von ihm eingesetzte Justizminis - ter Todd Blanche (zuvor sein persönlicher Anwalt) zugestimmt hat: Trump zieht seine Klage zurück, dafür legt das Justizministe - rium einen Entschädigungsfonds (Anti-Weaponization Fund) für Opfer staatlicher Handlungen durch politischen Missbrauch der Justiz in Höhe von 1,776 Milliarden US-Dollar die Summe soll das Gründungsjahr der Vereinigten Staaten symbolisieren auf. Ein Gremium von fünf Personen, die Donald Trump jederzeit entlassen darf, soll vertraulich entscheiden, wer Entschädigungen erhält. Niemand weiß derzeit, wer die fünf Personen sein werden und an wen und nach welchen Kriterien das Geld verteilt werden soll. Die entlassenen Staatsanwälte, die die Ermittlungen gegen die Erstürmer des Capitols geführt haben, werden es nicht sein. Und auch nicht die Beamten des ICE, die Migranten willkürlich festgenommen oder Protestierende erschossen haben. Die Auszahlungen sollen vertraulich bleiben. Hier will ein skrupelloser Egomane politische Gefolgschaft auf Kosten des von ihm regierten Staates belohnen! Mit dem Deal erreicht Trump womöglich etwas viel Wertvolleres: Die Steuerbehörden sollen bestehende Prüfungen gegen ihn, seine Söhne Erik und Donald Trump Jr. sowie seine Firmen für immer einstellen. Wenn er und seine Söhne eine reine Weste hätten, wäre dieser Teil des Deals völlig überflüssig! Es bleibt zu hoffen, dass es Trump nicht gelingt, die USA in eine Autokratie oder eine Oligarchie der Tech-Milliardäre zu führen.